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„Alles hat seine Zeit, und für alles gibt es eine Stunde“
(Prediger 3,1-9!)

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde, liebe Menschen!

Meine Zeit in der KG Ferndorf ist abgelaufen; und meine Stunde ist gekommen …! Die Stunde, nach bald 25 Jahren von Euch Abschied zu nehmen; die Zeit, mit großer Dankbarkeit „Adieu“ zu sagen! Zu Gott hin! Gott befohlen!

Ich werde zum 1. Oktober als Pfarrer für allgemeine kirchliche Aufgaben neue Dienstbereiche übernehmen. Neue Herausforderungen, die auf mich warten; neue Gestaltungsaufgaben, auf die ich mich freue – ein neuer Lebensabschnitt, der für uns als Familie beginnt. Ich werde in Kredenbach wohnen bleiben, aber als Pfarrer im Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg tätig sein. Der Entschluss, mich zu verändern, fiel nicht „über Nacht“; er brauchte Zeit, und er ist mir nicht leicht gefallen! Gewachsen im anhaltenden Gespräch mit unserem Gott, gediehen im Austausch mit außerordentlich guten, mir auch im gemeinsamen Glauben verbundenen Ärzten und Therapeuten, durfte er im Klima Eurer unerhörten Anteilnahme an meinem „Ergehen“ reifen und ausreifen. Dafür möchte ich allen an dieser Stelle von Herzen danken! Nur: Nach den Erfahrungen, zumal seit Frühjahr und Frühsommer 2016, musste meine Entscheidung, die KG Ferndorf zu verlassen, am Ende wie eine reife und überreife Frucht vom Baum fallen! Alles hat eben seine Zeit, und alles hat seine eigene Stunde!

Nur setzt der Prediger aus dem Schatz seiner reichen Lebenserfahrungen mit den Führungen Gottes noch etwas sehr Schönes hinzu. „Ich sah, was Gott den Menschen zu tun überlassen hat. Alles hat er so gemacht, dass es schön ist zu seiner Zeit…“ (Vers 10) Ja, alles ist schön zu seiner Zeit!!! Und alles, was wirklich einmal schön war zu seiner Zeit – wie könnte es je in Vergessenheit geraten?! Es bleibt schön, aufbewahrt im Gedächtnis der Liebe. Daher steht mein Abschied nicht im Zeichen der Resignation! Im Gegenteil: Er steht im Zeichen großer Dankbarkeit! Für alles, was in den vergangenen 25 Jahren durch Gottes Segen sich entwickeln durfte, was gedeihen und entstehen, was wachsen und werden und blühen konnte. Dankbar für alles, was wir an Gemeindearbeit vorhalten durften und anbieten konnten: an geistlich ebenso „verdichtenden“ wie missionarisch sich öffnenden Gemeindeangeboten. Und alles war schön zu seiner Zeit!

„Count your blessings“, sagen amerikanische Christenmenschen gerne. Zähle deine Segnungen! Ganz in diesem Sinne hat sich Dietrich Bonhoeffer auch immer wieder geäußert. So schrieb er etwa am 13. 09. 1943 aus der Gefängniszelle in Berlin Tegel an seine Eltern: „Im normalen Leben wird es einem oft gar nicht bewusst, dass der Mensch überhaupt unendlich viel mehr empfängt, als er gibt, und dass Dankbarkeit das Leben erst reich macht. Man überschätzt wohl leicht das eigene Wirken und Tun in seiner Wichtigkeit gegenüber dem, was man nur durch andere geworden ist.“ Je dankbarer ich sein und werden darf, umso reicher wird mein Leben – immer reicher auch an Zufriedenheit, immer reicher auch an Herzensbildung und Herzenshöflichkeit, an echter Solidarität mit allen, denen es weniger gut geht.

„Seht mal, es geht auch ohne Pfarrer Bäumer“ ! Dies habe eine Dame nach dem wunderschönen musikalisch-literarischen Abend mit Trio Audite und Esther Zellweger gesagt. Das stimmt! Sollte ich jemals in Ausübung meiner inneren und äußeren Berufung zum pfarramtlichen Dienst den Eindruck erweckt haben, als ginge es nicht auch ohne mich, so bitte ich dafür sehr ernstlich um Entschuldigung! Dafür!!!

Doch es stimmt: „Seht mal, es geht auch ohne Pfarrer Bäumer“! Ohne Jesus Christus geht es nicht! Ohne die Bitte um SEINEN Geist geht es nicht! Ohne die Bitte um SEIN Wort geht es nicht! Ohne die Bitte um SEINEN Segen geht es nicht! Ohne Gebet geht es nicht! Aber ohne einen Pfarrer Bäumer geht es immer! Martin Luther hat es einmal so gesagt: „Wir sind es doch nicht, die da die Kirche erhalten könnten. Unsere Vorfahren sind es auch nicht gewesen. Unsere Nachkommen werden´s auch nicht sein; sondern der ist´s gewesen, ist´s noch und wird´s sein, der da sagt: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Matth. 28,20) Der KG Ferndorf wünsche ich den Segen eines wirklich gelingenden Neuanfangs! Ob er gelingt, bleibt zu hoffen und zu wünschen. Dafür zu beten, bleibt unerlässlich! Was mich betrifft, so habe ich die Bahn dafür geebnet. Denn gelingen kann er nur – ohne Pfarrer Bäumer! Und gelingen auch nur, wenn Pfarrer Bäumer sich ganz konsequent aus allem heraushält und ab sofort für keine Dienste in der KG Ferndorf und an Gemeindegliedern der KG Ferndorf mehr zur Verfügung steht. Ohne Ausnahme! Und dafür bitte ich mit diesen Abschiedszeilen um achtsames und umsichtiges Verständnis.

„… ein Gast nimmt leise seinen Hut – und geht“ – so heißt die Schlusszeile eines bewegenden Gedichts von Hans Sahl! So nehme auch ich meinen Hut – leise, aber reich beschenkt, glücklich und zufrieden. Mit ganz herzlichen Segens – und dankbaren Abschiedsgrüßen bin ich sehr gerne Euer Gemeindepastor gewesen! „Adieu“! Zu Gott hin! Gott befohlen!

Volker Bäumer, Pfarrer